Donnerstag, 13. September 2012

Und weiter gehts - Teil 3

Ich bin wieder hier, in meinem Revier...

So, ich schätze ich werde für diesen Post ein Weilchen brauchen. Eine Flut an Informationen und Emotionen der letzten Tage erwartet euch und ein Ausblick auf das, was kommt. Was ich erwarte und erhoffe. Vielleicht wirds auch ein bisschen durcheinander. Grob rückblickend kann ich aber schon mal sagen, dass es wundervoll war zu Hause zu sein und, dass man sich da verdammt schnell dran gewöhnt.

Am Mittwoch letzter Woche durfte ich nach Hause. Ab 9:30 Uhr saß ich auf heißen Kohlen, denn ich hatte alle Papiere zusammen und wartete nur noch auf den Abholservice "Mama". Die wiederum musste allerdings erst auf ihren Feierabend warten. Letztlich war sie gegen 14:15 Uhr hier. Wäre ich auf der Flucht gewesen, hätte mich keiner mehr gesehen. Alles war vorbereitet und ich verdammt schnell hier raus. Stellt euch jetzt die Staubwolke hinter mir vor! 
Der erste Weg führte uns in einen Supermarkt, leckeres Essen kaufen (by the way, ich habe grade einen Blick auf die aktuelle Speisekarte des Krankenhauses geworfen und ich glaube die Wochenmenues, die im Angebot sind, sehe ich schon zum 4. mal. Appetit hab ich schon jetzt keinen mehr. Laut Waage soll ich in der Zeit zu Hause 4 Kilo zugenommen haben. Gut, bei den Portionen und dem, was ich gegessen habe...).
Kaum zu Hause angekommen, bog mein Mann mit den Kindern im Auto um die Ecke. Sie kamen von den Schafen. Ich war richtig aufgeregt als ich die hintere Autotür aufgemacht habe und die Jungs da sitzen sah. Viel haben wir nicht mehr gemacht. Gespielt, gefaulenzt, gekuschelt, gegessen und im Nu war der Tag um.

Der Donnerstag kommt da schon etwas ereignisreicher daher. Vormittags war - wie immer bis 13 Uhr - die Haushaltshilfe da. Wobei es mir dieses mal ziemlich auf den Nerv ging, dass sie mir so gar nix zutraute. Deshalb fand ich´s auch nicht sonderlich schlimm als sie mir mitteilte, dass sie am nächsten Tag nicht da sein würde. Urlaub. Städtetrip über´s Wochenende mit ihrem Mann. 
Nachmittags waren wir in der Kita von Tristan, um alle Formalitäten zu klären und ich konnte mir einen ersten Eindruck von der Einrichtung und den Erzieherinnen verschaffen. 

Freitagmorgen war ich alleine mit den Jungs und hab das wirklich unendlich genossen. Die beiden hatten meine volle Aufmerksamkeit und ich hab den Haushalt komplett links liegen lassen. Nach dem Mittagessen (Okay, das habe ich dann doch gekocht.) sind wir in die Stadt gefahren, um Tristan mit einigen Dingen für seinen Kita Start am nächsten Montag auszustatten. Dann gabs noch einen Abstecher ins Café. 

Am Samstag haben mein Mann und ich ein Haus angeschaut (Ja, wir wollen umziehen... ach, das ist ne andere Geschichte und einen eigenen Blog wert, also lass ich die Details.), leider war´s nix für uns. Später gabs dann noch Kaffee und Kuchen bei meinen Schwiegereltern.

Sonntag gabs frische Brötchen und ein ausgiebiges Frühstück, ich liebe das. Meine Eltern wollten am Nachmittag zu Besuch kommen, also habe ich noch einen Kuchen gebacken (Mir fällt grad auf: schon wieder Kuchen?!). Natürlich kommen Oma und Opa nicht mit leeren Händen, sondern bringen was zum Anziehen für die Jungs und einen Rucksack, eine Trinkflasche und eine Brotdose für Tristan mit. 

Montag. Der erste offizielle Kita - Eingewöhnungstag für Tristan. Da mein Mann vormittags arbeitet und er ja die Eingewöhnung macht, stand das also auf dem Nachmittagsprogramm. Offensichtlich hat es ihm aber sehr gefallen. Klar, viele neue Eindrücke, die erst mal verarbeitet werden wollen, aber er hat direkt mit seiner Bezugserzieherin gespielt und wir waren zwar anwesend, aber wirklich "gebraucht" hat er uns nicht. Danach sind wir noch zu Thomas´Bruder ins Krankenhaus gefahren. Der wurde nämlich notfallmäßig in der Nacht eingeliefert, weil der Verdacht auf einen Herzinfarkt bestand. Das hat sich aber nicht bestätigt. Er hat lediglich einen viel zu hohen Blutdruck, den es jetzt mit Medikamenten einzustellen gilt und er ist mit großer Wahrscheinlichkeit am Wochenende schon wieder zu Hause. 

Im Moment sitze ich hier an meinem kleinen Tisch im Zimmer und frage mich wie ich die nächsten 4 Wochen hier aushalten soll. Wie hab ich das die letzten beiden Male gemacht? Wie habe ich die Zeit nur rumbekommen? Es gibt wirklich nichts auf das ich mich im Moment mehr freue als auf die Zeit nach der Chemo. Nach Hause kommen mit der Gewissheit nicht in ein paar Tagen wieder für einige Wochen von zu Hause weg zu müssen. Und ich hoffe, dass ich die Zeit mit meiner Familie dann trotzdem genauso zu schätzen weiß wie jetzt während den Pausen.

So, zurück zu meinem Bericht aus der Heimat...

Dienstagmorgen hatte ich einen Termin zur ambulanten Knochenmarkpunktion und war gegen 12 Uhr Mittags wieder zu Hause. Nachmittags stand ja wieder Kita auf dem Programm und anschließend mussten wir noch ein wenig einkaufen. Langsam merkte man schon, dass die Stimmung ein wenig drückender wurde. Nur noch ein Tag... und immer wieder der Gedanke "Ich will meine Babies nicht so lange alleine lassen!".

Am Mittwoch waren die schlechten Gedanken erst mal wieder verflogen - oder verdrängt?! Jedenfalls lief es in der Kita wieder sehr gut und mein Mann und ich wollten den Abend in aller Ruhe genießen. Wir haben Pizza gegessen und es war einfach so "normal" und genau das war das Schöne. Zuvor, am Nachmittag hatte mein Mann einen kurzen Moment, als wir bei seinen Eltern waren, in dem man ihm sehr angemerkt hat, dass ihm die bevorstehende Trennung auf Zeit auch sehr nah geht. Und eigentlich will man gar nicht ins Bett gehen und schlafen, denn dann geht die Zeit so schnell und "ungenutzt" vorbei und schwupps...

... ist es Donnerstag. So und hier bin ich nun. Heute gibts noch keine Chemo. Ich frage mich: Was soll ich dann schon hier? Ein verschwendeter Tag! EKG und Blutabnehmen hätte auch morgen erfolgen können, oder man hätte gestern schon die Chemo in der Apotheke bestellen können, dann wäre sie heute da gewesen. Am liebsten würde ich mich in einen Zug setzen und nach Hause fahren. Wenigstens darf ich mein Zimmer heute noch verlassen. Noch bin ich nicht isoliert. 
Das, was mich wirklich über Wasser hält, ist die Aussicht, dass dieser Chemoblock der letzte ist, der mit einem so langen Aufenthalt im Krankenhaus verbunden ist. Der letzte hat eine so geringe Dosierung, dass nur wenige Tage nötig sein werden. Die Zeit, die ich für den Kaiserschnitt hier sein werde, zähle ich nicht, denn es ist ein schöner Anlass und ich bin eine ganze normale frisch gebackene Mama auf der Gynäkologie. 

Und ich habe die Hoffnung, dass ich vielleicht schon am Geburtstag meines Mannes, Mitte November, alles hinter mir habe (abgesehen von der bevorstehenden Erhaltungstherapie). 

Fest steht auf jeden Fall, dass dieses Weihnachten ein ganz besonderes werden wird. 

Ich glaube dieser Block wird hart. Nicht wegen der Chemo an sich, sondern einfach die Tatsache, dass ich wieder so lange von zu Hause weg bin und mich gerade wieder daran gewöhnt hatte. Heimweh ist schlimmer als jede Nebenwirkung!

Ich melde mich wieder!

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